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Jürgen Banscherus


Jürgen Banscherus © privat
Jürgen Banscherus
1949
Remscheid-Lennep
Witten
Remscheid-Lennep, Münster, Witten
Bergisches Land, Münsterland, Ruhrgebiet, Westfalen komplett, Rheinland komplett
Lyrik, Kinder-/Jugendbuch
Zedernweg 2
58456 Witten
Deutschland

Pressedaten

Erläuterungen und Bedingungen

Pressefotos und Logos zum Download in der Datenbank LITon.NRW

Das Westfälische Literaturbüro in Unna e.V. pflegt im Rahmen der NRW-Literatur-Online-Datenbank LITon.NRW (ehemals www.nrw-literatur-im-netz.de) seit Herbst 2003 eine Foto-Datenbank mit hochauflösenden Fotos von Autor*innen sowie Fotos und Logos von literarischen Institutionen und Projekten aus NRW. Der Service richtet sich an Medien und Literaturveranstalter*innen, die auf diese Weise unkompliziert an Pressefotos und/oder Logos gelangen können. Dieser Service ist (in der Regel) kostenlos. Wenn ein*e Autor*in / eine Institution / ein Projekt Pressefotos bzw. Logos zur Verfügung gestellt hat, ist unter dem jeweiligen Profilfoto das bzw. die entsprechende/n Symbol/e aktiv (anklickbar). Klickt man darauf, klappt bei den Pressefotos ein neues Menü aus, worüber sich das/die Foto/s herunterladen lassen; bei den Logos öffnet sich direkt ein neues Fenster, worüber diese direkt heruntergeladen werden können. Einem Download steht nichts entgegen, wenn die folgenden Nutzungsbedingungen akzeptiert werden:

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Pressebild(er)

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Arbeitsproben (1)

 

IM RAUMSCHIFF ÜBERN ENTENTEICH (Bilderbuch mit Ill. von Martin Baltscheit)

"Wie spät ist es eigentlich?", will Jakob wissen.
Jelle schaut auf ihre Armbanduhr. "Vier", sagt sie und gähnt, dass ihr Freund ihr fast in den Bauch gucken kann.
Seit zwei Stunden hocken die beiden in Jakobs Zimmer und langweilen sich. Das ist schlimm. Wenn man sich langweilt, verwandelt sich die Zeit in eine Schnecke.
"Wie wär´s mit Computer spielen?", fragt Jakob.
Jelle gähnt.
"Wir könnten auch mein Western-Lego aufbauen", sagt Jakob.
Jelle verdreht die Augen.
"Am Bach gibt´s jetzt Molche und Feuersalamander", sagt Jakob.
Jelle nagt an ihren Fingernägeln.
Plötzlich sagt sie: "Lass uns ein Buch machen."
"Ein Buch?", ruft Jakob. "Du spinnst ja!"
Jelle ist Jakobs allerbeste Freundin. So was sagt er nur ganz selten zu ihr. Höchstens einmal am Tag.
"Wir könnten im Garten eine Baumhütte bauen", schlägt er vor. "Mit Strickleiter, Aussichtsturm und Klo."
Jelle schüttelt energisch den Kopf. "Ein Buch", sagt sie. "Oder gar nichts."
Jakob kennt die Frauen. Wenn die was wollen, kommt er nicht dagegen an. Das ist so bei seiner Mutter, bei seiner großen Schwester Rebekka - und natürlich auch bei Jelle.
Also fragt er: "Und wie stellst du dir das vor? Ein Buch machen?"
"Ganz einfach", antwortet Jelle. "Du malst, ich schreibe."
Im Schreiben ist Jakob eine ziemliche Niete. Aber zeichnen kann er. Keiner kann Raumschiffe so gut wie er.

Am nächsten Tag fangen sie an. Jelle hat ihre alte Schreibmaschine von zu Hause mitgebracht. Jakob holt seinen großen Zeichenblock aus der Schreibtischschublade.
"Was willst du denn damit?", fragt Jelle.
"Blöde Frage." Jakob schüttelt den Kopf über so viel Unverstand. "Zeichnen natürlich!"
Jelle tippt auf ihre Kladde. "Die Zeichnungen gehören ins Buch."
"Weiß ich", sagt Jakob. "Ich male die Bilder zuerst auf den Block und hinterher verkleinern wir sie auf dem Kopierer. Dann passen sie ins Buch."
"Gute Idee", sagt Jelle. "Und jetzt?"
"Fang an", sagt Jakob.
"Es war einmal ein Bär",
tippt Jelle in die Maschine.
"Find ich total doof", sagt Jakob. "Fang anders an."
Jelle denkt nach. Tippt was hin. Streicht es mit ihrem Kuli wieder durch. Tippt was anderes hin.
"Eines Morgens lag der Bär in der Badewanne", liest sie vor. "Einverstanden?"
Jakob nickt. Er nimmt seine Stifte und beginnt zu zeichnen.
"Gut so?", fragt er, als er fertig ist.
"Nicht schlecht", sagt Jelle. "Aber wieso steht die Badewanne in einem Raumschiff? Und wo ist der Bär? Und was soll die Zigarre?"
"Gefällt´s dir oder gefällt´s dir nicht?", knurrt Jakob.
"Irgendwie schon", sagt Jelle und schreibt weiter:
"Er war die ganze Nacht mit den Hasen Skateboard gefahren und hundemüde. Nun freute er sich auf sein Frühstück mit Honigbrot, Honigmüsli und Honigwein."
Jakob beginnt wieder zu zeichnen.
"Und wo ist mein Bär?", fragt Jelle, als er fertig ist.
"Der hat sich gerade in der Küche eine neue Zigarre geholt", antwortet Jakob. "Siehst du doch."
"Aha." Jelle runzelt die Stirn. "Und was hat das Raumschiff auf dem Bild zu suchen?", will sie wissen.
"Mit dem war der Bär bei den Hasen", antwortet Jakob. "Wie hätte er sonst hinkommen sollen?"
"Ach so", sagt Jelle und tippt in die Maschine:
"Hinterher räumte er ab und machte sich auf den Weg zurück zu den Hasen. Die hatten sich auf der Lichtung im Wald eine Skateboardbahn gebaut. Da fuhren sie jetzt Tag und Nacht."
"Stopp", sagt Jakob und beginnt zu zeichnen.
"Toll", sagt Jelle, als er mit dem Blatt fertig ist. "Aber was ist mit meinem Bären? Wo zum Donner ist mein Bär?"
Jakob zeigt auf die Zigarre, die aus der Luke des Raumschiffs in den Weltraum guckt.
"Und wo sind die Hasen?"
Jakob tippt auf das Skateboard, das gerade an einem Stern vorbei fliegt, und auf die acht langen Ohren, die am unteren Rand des Bildes zu sehen
sind.
Eine Weile schaut Jelle Jakob nachdenklich an. Sie spielt mit ihrem Kugelschreiber und kratzt sich am Po. Mama und Papa mögen das nicht. Aber wie soll man vernünftig überlegen, ohne sich am Po zu kratzen?
"Du, Jakob?", sagt sie schließlich.
"Mhm."
"Du kannst gar keine Bären zeichnen, stimmt´s?"
Jakob wird rot. Er schaut Jelle nicht an.
"Nee", sagt er schließlich. "Kann ich nicht."
"Und Hasen kannst du auch nicht", fährt sie fort.
"Nee", sagt Jakob. "Aber Raumschiffe..."
"Hör endlich mit deinen dämlichen Raumschiffen auf!", unterbricht ihn Jelle. "Ich hatte mir so eine irre Geschichte ausgedacht: Der Bär wäre beim Skateboardfahren gestürzt und ins Krankenhaus gekommen. Dort hätte er sich in eine Krankenschwester verliebt und..."
"Nee, hätte er nicht", sagt Jakob. "Richtige Bären verlieben sich nicht in Krankenschwestern."
Jelle zieht einen Schmollmund. "Ist ja auch egal", sagt sie. "Welches Tier kannst du denn zeichnen?"
"Enten", antwortet Jakob nach langem Überlegen. "Ja, Enten kann ich. Und Pinguine. Aber die nicht so gut."
"Zeig", sagt Jelle und Jakob malt eine wunderschöne Ente.
"Jetzt bist du dran", sagt er.
Jelle schreibt:
"Eines Morgens lag die Ente in der Badewanne."
"Bist du dumm?", ruft Jakob. "Enten liegen doch nicht in der Badewanne!"
"Wieso denn nicht?"
"Na, weil die sowieso immer im Wasser sind", antwortet Jakob. "Oder glaubst du etwa, Enten gingen zum Baden in die Badewanne?"
Jetzt wird Jelle rot. Das passiert ihr nicht oft, höchstens einmal im Monat.
Sie beginnt zu grübeln. Grübelt und grübelt, bis ihr etwas einfällt:
"Niemand im Wald mochte die Ente so sehr wie der Bär."
Und Jakob zeichnet.
"Wieso hockt die Ente auf der Zigarre?", will Jelle wissen, als sie das fertige Bild sieht.
"Weißt du vielleicht einen besseren Platz?", fragt Jakob zurück.
Jelle seufzt. "Und was ist das für ein komisches graues Ding da hinten im Wald?"
"Das ist ein ..."
" ... Raumschiff", beendet Jelle Jakobs Satz. "Mann, ich finde es total doof, dass du auf jedem Bild ein Raumschiff zeichnen musst!"
"Selber doof!", schimpft Jakob und wirft Block und Stifte in die Ecke. "Mach doch dein Buch alleine!"
Jelle streckt ihm die Zunge raus und verschwindet, ohne Tschüss zu sagen.

Obwohl Jelle gleich um die Ecke wohnt, sind die beiden jetzt fast so weit voneinander entfernt wie die Erde vom Mond. An diesem Nachmittag reden sie nicht. Sie telefonieren nicht. Sie schreiben nicht und sie malen nicht. Vor allem aber versuchen sie nicht an den anderen zu denken. Doch nicht an den anderen denken wollen ist das sicherste Mittel, immer an ihn zu denken zu müssen. Und wenn ein Kopf immerzu denken muss, obwohl er eigentlich gar nicht denken will, wird er müde. Deshalb gehen Jakob und Jelle früh ins Bett, viel früher als sonst.
Am nächsten Morgen findet Jelles Vater eine Zeichnung im Briefkasten. Auf ihr ist ein Tier zu sehen, das es auf der ganzen Welt nicht gibt. In großen Buchstaben steht am oberen Rand:
WAT IS NU MIT UNSEREM BUCH??
Jelle grinst. Typisch Jakob, denkt sie.
"Was soll denn das für ein Tier sein?", fragt Jelles Mutter.
"Keine Ahnung", sagt Jelle. "Vielleicht ein Entenbärenhasenping."

Am Nachmittag sitzen sie wie üblich in Jakobs Zimmer. Sie haben nicht über ihren Streit gesprochen. Sie wissen auch so, dass wieder alles in Ordnung ist - bis zum nächsten Mal.
Jakob hat das Bild mit der Ente fertig ausgemalt. Aber es fehlt was.
"Wo ist das Raumschiff?", fragt Jelle.
"Das hab ich rausgeschmissen", antwortet Jakob.
"Endlich wirst du vernünftig", sagt Jelle und schreibt:
"Niemand im Wald konnte die Ente so gut leiden wie der Bär. Sie waren die besten Freunde und machten alles gemeinsam: faulenzen, angeln, fernsehen, Skateboard fahren und den Förster ärgern. Der große Bär beschützte die kleine Ente. Und die kleine Ente sagte dem großen Bären, in welchen Flüssen er Lachse finden konnte. Wenn es den beiden dann doch einmal langweilig wurde, schrieben sie an ihrem Buch weiter. Es hatte schon zwei Kapitel und handelte von Liebe und Freundschaft."
"Ich weiß nicht", unterbricht Jakob seine Freundin.
"Findest du die Geschichte nicht gut?", fragt Jelle.
"Na ja", sagt Jakob.
"Hast du was gegen Liebe und Freundschaft?"
"Nee", antwortet Jakob. "Bloß..."
"Bloß was?"
"Es passiert nix. Ich kann den Bären und die Ente beim Angeln oder beim Fernsehen malen", erklärt Jakob. "Aber das ist langweilig. In einem Buch muss was Spannendes passieren - finde ich", fügt er hinzu.
Jelle klappt ihre Kladde zu und bohrt ihm ihren Finger in den Bauch. Sie kommt ganz schön tief. "Hast du vielleicht einen besseren Vorschlag?", fragt sie schnippisch.
"Hab ich", sagt Jakob und fängt an:
"Eines Morgens saß die Ente gemütlich beim Frühstück. Da hörte sie von draußen einen fürchterlichen Lärm. Es klang wie der Sturm, der im letzten Jahr viele Bäume entwurzelt hatte. Ängstlich öffnete die Ente die Haustür. Ihre Überraschung war groß, als sie über dem Ententeich ein Raumschiff schweben sah. Das Licht in der Kuppel blendete sie so sehr, dass sie die Augen schließen musste.
Als die Ente sie wiederaufmachte, kam ein Pinguin auf sie zu. Zuerst...
"...wollte die Ente weglaufen", fährt Jelle fort, die eilig mitgeschrieben hat,
"aber dann ließ sie es. Denn der Bär hatte ihr beigebracht, der Gefahr ins Auge zu sehen."
"Genau!" Jetzt war wieder Jakob dran.
"Plötzlich öffnete der Pinguin seinen Schnabel und sagte: "Ich komme vom Planeten Pingu-Centaur. Ich möchte dich und den Bären bitten, zu uns zu kommen."
Die Ente schüttelte energisch den Kopf. "Mit einem Raumschiff fliege ich nicht", sagte sie. "Niemals!"
In diesem Moment kam der Bär angelaufen. Er hatte der Ente beim Frühstück Gesellschaft leisten wollen und hatte dafür extra ein Glas Kaulquappenmus mitgebracht.
"Was ist denn hier los?", fragte er, als er das Raumschiff und den Pinguin sah.
"Hallo, Bär, ich bin gekommen, euch um Hilfe zu bitten", sagte der Pinguin. "Auf unserem Planeten ist immer Winter. Wir Pinguine mögen das. Sehr sogar. Aber vor ein paar Jahren haben die ersten angefangen, sich zu langweilen. Und weil sie sich langweilen, denken sie nur noch ans Fressen. Inzwischen sind viele so fett geworden, dass sie sich kaum noch bewegen können. Wenn sie Pech haben, frieren sie im Eis fest und sterben. Nun haben wir Angst, dass bald niemand mehr von uns übrig ist. Deshalb haben mich meine Freunde geschickt, um euch zu holen."
"Stop! Lass mich erst mal zeichnen", sagt Jakob.
Und er zeichnet. Eine volle Stunde lang.
"Super", sagt Jelle, als er fertig ist. "Megastark! Allererste Sahne!"
Jakob wird mal wieder rot. Aber diesmal vor Stolz.
"Und wie geht´s weiter?", fragt sie.
Jakob gähnt. "Keine Ahnung."

In der Nacht träumt Jakob von einem Bären, der mit dem Vollmond Fußball spielt. Und Jelle träumt von einer Ente, die in Abendkleid und Lackschuhen mit einem Pinguin über die Milchstraße tanzt.
"Weißt du weiter?", fragt Jakob, als sie sich am nächsten Tag nach der Schule treffen.
"Vielleicht", sagt Jelle und tippt in die Maschine:
"Gut", sagte der Bär, "wir helfen euch."
"Aber ich steige in kein Raumschiff", widersprach die Ente und zitterte am ganzen Leib.
Der Bär setzte sie behutsam auf seine Zigarre. "Ich bin doch bei dir", brummte er. "Ich beschütze dich."
Da packten die beiden ihre große Reisetasche, steckten sich Tabletten gegen Reiseübelkeit in den Mund und folgten dem Pinguin auf das Raumschiff."
"Stopp!", ruft Jakob und zeichnet das Innere des Raumschiffs.
"Toll", sagt Jelle. "Aber ein bisschen unheimlich."
Dann fährt Jakob fort:
"Mit dreifacher Lichtgeschwindigkeit jagte das Raumschiff dem Planeten Pingu-Centaur entgegen. Auf der Fahrt mussten sie einem Kometensturm ausweichen und dem Stern P 666, der durch den Raketenangriff der Weganer aus seiner Bahn geworfen worden war."
"Mannomann", stöhnt Jelle vor lauter Spannung und schreibt:
"Deshalb erreichte das Raumschiff erst nach einem Monat den Planeten Pingu-Centaur. Als sie ausstiegen, kamen ihnen ein paar Pinguine entgegen. Sie waren dreimal so dick wie der Bär und konnten sich nur mühsam bewegen."
"Jetzt weiß ich weiter", sagt Jakob:
"Sie freuten sich, dass der Bär und die Ente gekommen waren und sagten: "Heh, ihr beiden, wir sterben vor Langweile. Wisst ihr nicht, was wir dagegen tun können?"
"Wie wär´s mit Schwimmen?", fragte der Bär.
Die Pinguine gähnten.
"Was haltet ihr vom Segeln?", fragte die Ente.
Die Pinguine verdrehten die Augen.
"Oder vom Schlittschuh laufen?", fragte der Bär.
Die Pinguine furzten bloß laut.
"Und wenn ihr ein Buch schreibt?", fragte die Ente.
"Ein Buch?", riefen die Pinguine im Chor.
Der Bär nickte. "Das macht Spaß. Stimmt´s, Ente?"
"Und worüber sollen wir schreiben?", fragte ein Pinguin.
"Schreibt über Liebe und Freundschaft", sagte die Ente.
Da watschelten die Pinguine auch schon los, um Papier und Stifte zu holen. Und sie fingen an zu schreiben und zu zeichnen und bekamen nicht einmal mehr mit, wie der Bär und der Schmetterling zurück ins Raumschiff stiegen.

"Eine tolle Geschichte", sagt Jakob.
"Stimmt", sagt Jelle.
"Und was tun wir jetzt?"
"Jetzt fliegen wir zurück", antwortet Jelle. "Wirf die Triebwerke an!"


Geboren am 13. März 1949 in Remscheid-Lennep. Nach dem Abitur Studium der Geistes- und Sozialwissenschaften in Münster und Bonn. Verschiedene berufliche Tätigkeiten: Journalist bei einer Tageszeitung, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschung, Verlagslektor, Lehrer in der Erwachsenenbildung. Seit 1983 Veröffentlichung von Lyrik. 1985 erstes Kinderbuch. Seit 1989 freier Schriftsteller. Inzwischen wurden seine Bücher ins Spanische, Katalanische, Baskische, Litauische, Mallorquinische, Französische, Dänische, Flämische, Polnische, Chinesische, Englische, Italienische, Thailändische, Schwedische, Slowenische, Türkische, Norwegische, Hebräische, Japanische, Tschechische, Griechische, Rätoromanische, Persische, Albanische, Ukrainische, Afrikaans, Estnische und in Blindenschrift übersetzt. Jürgen Banscherus ist Mitglied im PEN und war Vorsitzender der Jury des bundesweiten Vorlesewettbewerbs. Er ist verheiratet und hat eine Tochter und einen Sohn.

2010 Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis
2006 Hansjörg-Martin-Preis (für: Ein Fall für Kwiatkowski)
2004/2005 Bundesweites Preisbuch des Vorlesewettbewerbs (für: Das Gold des Skorpions)
2002 Eule des Monats Mai des Bulletins Jugend & Literatur (für: Novemberschnee)
2002 Auf der Liste der "10 Bremer Besten" (für: Novemberschnee)
2001 Berliner Kinderkrimipreis EMIL (für: Die Stille zwischen den Sternen)
1999 Auszeichnung "Das ungewöhnliche Buch" der Zeitschrift ESELSOHR (für das Bilderbuch: Max Freundefinder, zus. mit Karoline Kehr)
1997 Literaturpreis Ruhrgebiet für das Gesamtwerk
1997 Buch des Monats der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur (für: Tore, Tricks und schräge Typen)
1996 Bad Harzburger Jugendliteraturpreis (für: Davids Versprechen)
1996 Kinderbuchpreis Bozen (für: Die verschwundenen Rollschuhe)
1989 Hans-im-Glück-Preis der Stadt Limburg (für: Valentin-Valentino)
1987 Auslandsstipendium des Kulturwerks deutscher Schriftsteller.
1986 Arbeitsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen.
1985 Preis der Leseratten des ZDF (für: Keine Hosenträger für Oya)
1985 Schweizerischer Preis für das beste deutschsprachige Buch gegen Rassismus "Die blaue Brillenschlange" (für: Keine Hosenträger für Oya)

Na und! Hrsg. von Christa Stewens. Arena: Würzburg 2003.
Landgang. ars edition: München 1988.

Liebestode. Edel-ebooks: Hamburg 2014. (Erschienen unter dem Pseudonym Max Diener).

Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 28: Die Nase der Göttin. Arena: Würzburg 2020.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 27: Milchtütenalarm. Arena: Würzburg 2020.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 26: Sherlocks Pfeife. Arena: Würzburg 2018.
Der unglaubliche Lauf der Fatima Brahimi. Arena: Würzburg 2017.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 25: Doppeltes Spiel. Arena: Würzburg 2016.
Milli und Magnus, Bd. 3: Der Raub der Kaiserin. Baumhaus: Köln 2016.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 24: Donner, Blitz und schräge Vögel. Arena: Würzburg 2015.
Milli und Magnus, Bd. 2: Das fliegende U-Boot. Baumhaus: Köln 2015
Milli und Magnus, Bd. 1: Der verschwundene Baron. Baumhaus: Köln 2015.
Der Wald der Abenteuer (erweiterte Tb-Ausgabe). cbj: München 2015.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 23: Der Schuh des Marabu. Arena: Würzburg 2014.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 22: Große Jagd auf kleine Fische. Arena: Würzburg 2013.
Der Wald der Abenteuer (Buch zum Welttag des Buches). cbj: München 2013.
Emil Flinkefinger. cbj: München 2012.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 21: Schnüfflerpech und lange Finger. Arena: Würzburg 2012.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 20: Rache ist Schokotorte. Arena: Würzburg 2011.
KATANA. Taschenbuchtrilogie "Jimmi Nightwalker". cbj: München 2011.
Jimmi Nightwalker, Bd. 4: Das unheimliche Schiff. cbj: München 2010.
Jimmi Nightwalker, Bd. 3: Das Geheimnis von Nr. 7. cbj: München 2010.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 20: Rache ist Schokotorte. Arena: Würzburg 2010.
Jimmi Nightwalker, Bd. 2: Der Verrat. cbj: München 2010.
Jimmi Nightwalker, Bd. 1: Das Rätsel der schwarzen Herren. cbj: München 2010.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 19: Monster, Mond und Mottenpulver. Arena: Würzburg 2009.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 18: Die Mozzarella-Falle. Arena: Würzburg 2008.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 17: Detektive küsst man nicht. Arena: Würzburg 2007.
Bis Sansibar und weiter. Verlag Cbj: München 2006.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 16: Der Stinker. Arena Verlag: Würzburg 2006.
Die Warnung. Arena: Würzburg 2005.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 15: Das rosarote Schulgespenst. Arena: Würzburg 2005.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 14: Der große Schlangenzauber. Arena: Würzburg 2005.
Das Gold des Skorpions. Arena: Würzburg 2004.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 13: Das Geheimnis der fliegenden Kühe. Arena: Würzburg 2004.
Das Lächeln der Spinne. Arena: Würzburg 2004.
Der Smaragd der Königin. Arena: Würzburg 2003.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 12: Falsches Spiel und schnelle Mäuse. Arena: Würzburg 2003.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 11: Faule Tricks und nasse Füße. Arena: Würzburg 2002.
Novemberschnee. Arena: Würzburg 2002.
Paul & Paule: Die Reise zum Wildschweinplaneten. Arena: Würzburg 2002.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 10: Frohes Fest, du Weihnachtsmann! Arena: Würzburg 2001.
Paul & Paule: Das Monster in der Badewanne. Arena: Würzburg 2001.
Die Stille zwischen den Sternen. Oetinger: Hamburg 2001.
Paul & Paule: Ein Hauptgewinn für zwei. Arena: Würzburg 2000.
Paul & Paule: Papas Geheimnis. Arena: Würzburg 2000.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 9: Hunde, Hüte und Halunken. Arena: Würzburg 2000.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 8: Duell der Detektive. Arena: Würzburg 1999.
Gottlieb, der Killerhai. Oetinger: Hamburg 1998.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 7: Nachts sind alle Glatzen blau. Arena: Würzburg 1998.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 6: Die afrikanische Maske. Arena: Würzburg 1998 .
Die verrückte Geschichte von Sebastian und dem Flügel, der im Hausflur steckenblieb. Oetinger: Hamburg 1997.
Max Freundefinder (Bilder v. Karoline Kehr). Thienemann: Stuttgart 1997.
Christoph findet Christin toll (Bilder v. Andreas Röckener). Patmos: Düsseldorf 1997.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 5: Krach im Zirkus Zampano. Arena: Würzburg 1997.
Die besten Freunde der Welt. Oetinger: Hamburg 1996.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 4: Tore, Tricks und schräge Typen. Arena: Würzburg 1996.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 3: Das blaue Karussell. Arena: Würzburg 1996.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 2: Die verschwundenen Rollschuhe. Arena: Würzburg 1995.
Ein Fall für Kwiatkowski, Bd. 1: Die Kaugummiverschwörung. Arena: Würzburg 1995.
Besuch für Esel Jaja. Arena: Würzburg 1994.
Davids Versprechen. Arena: Würzburg 1993.
Frohes Fest, Lisa! Arena: Würzburg 1992.
Kommt ein Skateboard geflogen. Arena: Würzburg 1991.
Karambolage. Dürr: Bonn 1990.
Und zum Nachtisch Schokoküsse. Arena: Würzburg 1990.
Valentin-Valentino. Arena: Würzburg 1989.
Die Eisenbahnmaus. Arena: Würzburg 1988.
Das Dorf in den Zitronenbergen. Arena: Würzburg 1987.
Asphaltroulette. Arena: Würzburg 1987.
Keine Hosenträger für Oya. Arena: Würzburg 1985.

Julius-Tag. In: 24 wunderschöne Geschichten bis Weihnachten. Hrsg. von Nathalie Dörpinghaus. Boje: Köln 2016.
Der algerische Willi. In: 24 Geschichten für die Zeit bis Weihnachten. Hrsg. von Anja Girmscheid. Boje: Köln 2015.
Der gestohlene Weihnachtsbaum. In: 24 Geschichten bis Weihnachten. Hrsg. von Katharina Braun. Boje: Köln 2010.
Nr. 118 - Wickeder Totentanz. In: Kalendarium des Todes. Hrsg. von H.P. Karr, H. Knorr & S. Krauß. Grafit: Dortmund 2012.
Flinke Finger. In: Sonnencreme und Gummiboot. Hrsg. von Antonia Berger. cbj: München 2009.
Kalt. In: Hängen im Schacht. Hrsg. von H.P. Karr. KBV: Hillesheim 2009.
Niko Laus und der Nikolaus. In: 24 Adventsgeschichten. Hrsg. von Katharina Braun. Boje: Köln 2009.
Der Bär mit dem weißen Po. In: Bären! (Ausstellungskatalog) zur Ausstellung vom 9.9.-7.10.2001 in der Folkwang-Hochschule in Essen.
Verlorene Unschuld. Essay. In: Mein erstes Manuskript. Schriftenreihe der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 27. Hrsg. von Kurt Franz, Günter Lange, Franz-Josef Payrhube und Heinrich Pleticha. Hohengehren 2001.
Regionalexpress 4673. In: Ich schenk dir eine Geschichte. Hrsg. von Stiftung Lesen. Omnibus im Bertelsmann Verlag: Gütersloh 2000.
Einsam nur der Esel wacht. In: Die schönsten Advents- und Weihnachtsgeschichten. Hrsg. von Christine Razum. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1999.
Der Mann, der sich Columbus nannte. In: Grundschule 7/8. Westermann: Braunschweig 1999.
Koks. In: Schau mal - die Sterne! Hrsg. von Uli Rothfuss. Silberburg-Verlag: Tübingen 1998.
Rosen für Simons Mutter. In: Herzklopfen, Herzflattern. Hrsg. von Hannelore Westhoff. Ravensburger: Ravensburg 1998.
Davids Versprechen oder Wie ein Buch entsteht. In: Lesebuch 6. Cornelsen: Berlin 1998.
Autoren und Literaturvermittlung: Sieben Thesen. Essay. In: Bücher machen - Bücher lesen. Hrsg. von Thomas Eicher. Athena: Oberhausen 1998.
Die Schmale. In: Der Maulbeerbaum, der Fernweh hatte. Frankfurter Blätter Nr. 6. Hrsg. von Hans J. Nauschütz und Steffen Peltsch. Deutsch-Polnisches Literaturbüro Oderregion e.V.: Frankfurt/Oder 1997.
Der Überfall. In: Eine Literaturbrücke. Hrsg. von Blom, Rande; Reinke, Karen. Dafolo Forlag: Frederikshavn 1997.
Die Schmale. In: Ich will Spaß!?. Hrsg. von Harald Roth. Arena: Würzburg 1997.
Das Haus nebenan. In: Stand up! Hrsg. von Reiner Engelmann: Arena: Würzburg 1996.
Kein Waterloo. Essay. In: Alles so schön bunt hier! Hrsg. von Reiner Engelmann. Arena: Würzburg 1996.
Judith. In: Frei wie die Drachen am Himmel. Hrsg. von Hans-Martin Große-Oetringhaus. Elefanten Press: Berlin 1996.
Feuerwasser. In: Fluchtwege. Hrsg. von Reiner Engelmann. Arena: Würzburg 1995.
Ringelnattern. In: Heute die Zukunft beginnen. Hrsg. von Reiner Engelmann. Arena: Würzburg 1995.
Koks. In: Früher war auch mal heute. Hrsg. von Reiner Engelmann. Arena: Würzburg 1995.
Blau. In: Punktum. Das Sprachbuch 9/10. Schroedel: Hannover 1995.
Adolf Hirsch, Mensch. In: Tatort Klassenzimmer. Hrsg. von Reiner Engelmann. Arena: Würzburg 1994.
O Tannebaum. In: Grundschule 12/1994. Westermann: Braunschweig 1994.
Fassade. In: Morgen kann es zu spät sein. Hrsg. von Reiner Engelmann. Arena: Würzburg 1993.
Das Oktaskop. In: Herzlichen Glückwunsch! Hrsg. von Hannelore Westhoff. Ravensburger: Ravensburg 1988.
Der Klassenaufsatz. In: Die schönsten Freundschaftsgeschichten. Hrsg. von Hannelore Westhoff. Ravensburger: Ravensburg 1987.
Die Hosenträgerbande vom Dortmund-Ems-Kanal. In: Alles Paletti. Hrsg. von Thomas Rother. Klartext: Essen 1985.
Eingeschlichen. In: Im Autobahnkreuz. Hrsg. von Gerd Puls und Gerhard Rademacher. Klartext-Verlag: Essen 1984.

Lyrik in den Anthologien:
Gedicht. In: Augenblicke der Erinnerung. Hrsg. von Rainer W. Campmann und Hugo Ernst Käufer. Asso: Oberhausen 1991.
Gedicht. In: Wo Kobolde wachsen. Hrsg. von Olaf Plotz. Edition Katzenvilla: Kellinghusen 1989 .
Gedicht. In: Als die Pille in die Emscher flog. Hrsg. von Thomas Rother. Klartext: Essen 1985.
Gedicht. In: Poesie-Agenda 1984. Hrsg. von Werner Bucher und Jürgen Stelling. orte: Zürich 1984.
Gedichte. In: Autoren stellen sich vor 6/83. Hrsg. von Inge und Theo Czernik. Edition L: Loßburg 1983.
Gedicht. In: Die Paradiese in unseren Köpfen. Hrsg. von Uwe-Michael Gutzschhahn. Arena: Würzburg 1983.
Gedicht. In: Unbändig männlich. Hrsg. von Rudi Finkler und Nikolaus Hansen. Rowohlt: Reinbek 1983.
Gedicht. In: Seewärts. Hrsg. von Niko Hansen. Rowohlt: Reinbek 1983.

Kurzprosa in den Anthologien:
Der Balken. In: Stadt/Ansichten, Unnaer Lesebuch. Hrsg. von Jürgen Banscherus und Gerhard Rademacher. Zwingmann: Gelsenkirchen 1985.
Berlin Linie 1. In: Station to station. Hrsg. von Wolfgang Rüger/Michael Suntrop. PARIA: Obersontheim-Hausen 1984.

V.W. Degener, J. Dirksen, H. Krauss: Ausgezeichnet. Literaturpreis Ruhr - 33 Porträts. Regionalverband Ruhr (Hg.): Dortmund 2020.
W. Gödden, I. Nölle-Hornkamp: Kommissar Kwiatkowski jagt einen Kaugummiklauer. In: Die Lust, Nein zu sagen. Eine kleine Geschichte der westfälischen und flämischen Kinder- und Jugendliteratur. Ardey: Münster 1997.
Das Böse lauert überall. In: FAZ., 21.10.1995.
Von der Möglichkeit, sich aus der Nähe wahrzunehmen. Stiftung Lesen, Mainz 1992.
Für Selbstbewußtsein, gegen Horror. In: Bulletin Jugend und Literatur 4, 1990.
N. Döring: "Senora Duarte, por favor!" Geschichte einer Spurensuche in Spanien. In: Der Tagesspiegel, 26.11.1985.
Der Kinderbuchfonds Dritte Welt. In: NZZ, 26.11.1985.

Lexikonbeiträge:
Walter Gödden und Iris Nölle-Hornkamp (Hrsg.): Westfälisches Autorenlexikon.  Bd. 4: 1900 bis 1950. Verlag Ferdinand Schöningh: Paderborn 2002.
W. Schuder (Hrsg.): Kürschners deutscher Literaturkalender. Berlin, New York 1998.
Siegmar Hohl, Carl Ludwig Lang (Hrsg.): Deutsches Literaturlexikon. 3., völlig neu bearb. Aufl. Ergänzungsbd. 1. Bern, München 1994.
Ludwig Janssen: Literatur-Atlas NRW. Ein Adreßbuch zur Literaturszene. Köln 1992.

Interview mit Jürgen Banscherus von Esther Kochte

Jürgen Banscherus: Liebe Esther Kochte, die ersten 20 Seiten eines neuen Manuskripts sind geschrieben. Bevor es weitergeht, mache ich wie immer ein paar Tage Pause. In dieser Zeit wird etwas in meinem Schädel passieren, ich weiß nicht genau was. Jedenfalls werde ich am Montag Mühe haben, mir auf der Tastatur zu folgen. Das ist jedes Mal so und immer noch ein Wunder.

Esther Kochte: Lieber Jürgen Banscherus, "es" schreibt Sie also?

J.B.: Bitte sehen Sie das nicht als Wiederauflage von Geniekult o.ä. an. Es findet – gleichgültig, was ich sonst tue – auf einer Schicht gleich unterhalb des Tagesbewusstseins eine Art komplexer Erinnerungsprozess in die Zukunft hinein statt. Die Geschichte schreibt sich weiter, taucht an der Oberfläche auf, verschwindet wieder und so fort. Puh, schwierig. Aber einfacher kann ich es nicht ...

E.K.: Gehen Sie von Ihrem persönlichen Welterleben aus oder versuchen Sie, Kindern und Jugendlichen nach dem Mund zu schreiben?

J.B.: Meine Themen durchlaufen, wie bei den meisten Autoren, einen dreistufigen Prozess, den man mit "Impuls", "Verpuppung", "Häutung" beschreiben könnte. Impulse kommen überall her. Was später daraus entsteht, hat oft mit der ursprünglichen Geschichte, Beobachtung, Emotion kaum noch etwas zu tun. Natürlich steckt mein Welterleben im fertigen Buch, ich frage mich nie, wie meine Tochter oder mein Sohn sich in einer ähnlichen Situation verhalten, was sie fühlen oder denken würden. Ich versuche beim Schreiben sieben oder acht, 14 oder 15 Jahre alt zu werden. Das reicht. Ich definiere mich in der Zeit am Computer, unbescheiden wie ich bin, zum exemplarischen Jugendlichen um – und bin jedes Mal erstaunt, wenn mir ein 16-Jähriger erzählt, wie nah er sich beim Lesen meiner Hauptperson gefühlt hat. Solange dieser Prozess funktioniert, werde ich weiterschreiben.

E.K.: Geben die eigenen Kinder Ihnen beim Schreiben Feedback?

J.B.: Meine Kinder lesen meine Bücher und kritisieren sie auch. Und wenn ich ihre Kritik einsehe, versuche ich es beim nächsten Buch besser zu machen.

E.K.: Ein Großteil Ihrer Bücher sind Krimis. Ohne Krimi geht der Banscherus nicht ins Bett?

J.B.: Es kommt vor, dass ich mit einem Krimi ins Bett gehe. Allerdings eher selten und nur dann, wenn mich ein Titel anspringt. Ansonsten lese ich mich vor allem durch die Werke solcher Autoren, die in der literarischen Öffentlichkeit eine nachgeordnete Rolle spielen. Darunter gibt es Perlen – unglaublich! (Lesen Sie mal Ingomar von Kieseritzky...)
Bis ich zwölf war habe ich außer "Kalle Blomquist" nie einen Krimi gelesen. Dann kam meine Initiation zum Bücherjunkie. Ich las Dostojewkis "Schuld und Sühne" und war von dem Moment an für jede Kinder- oder Jugendliteratur verloren - bis ich 22 Jahre später "Keine Hosenträger für Oya" schrieb.

E.K.: Ein großer Sprung, von Lindgren zu Dostojewski. Hätte es damals Jugendbücher wie Ihre gegeben, hätten Sie sie als Jugendlicher gelesen? Vielen Jugendlichen fehlt nach Erkenntnissen der Lesebiografieforschung ein Übergang von der Kinderlektüre zur anspruchsvollen Belletristik – viele unterbrechen ihre Lesepraxis in der Pubertät. Dabei fehlt vielleicht nur das Wissen um eine adäquate Jugendlektüre (was immer das sei)?

J.B.: Als ich zwölf war, schrieben wir das Jahr 1961. So etwas wie die vielschichtige Jugendliteratur von heute hatten wir nicht im entferntesten – stattdessen Karl May oder Helmut Höffgens "Mit dem Fahrrad durch den Urwald". Natürlich hätte ich das, was Sie als eine Art "Übergangsliteratur" bezeichnen, gelesen. Unsinn, ich hätte es gefressen!

E.K.: Die Hosenträgerbande ist keine typische Kinderbuchbande in der Tradition Enid Blytons, die supersmart die waghalsigsten Abenteuer besteht. Sie thematisieren auch Misserfolge und vor allem Vorurteile gegen türkische Gastarbeiter.

J.B.: Meine ersten Veröffentlichungen hatte ich als Lyriker, d.h., ich versuchte, Emotionen, Erfahrungen, Geschehnisse extrem zu verdichten. Dann erlebte ich in Dortmund die ersten rassistischen Aktionen gegen Türken. Die schrieen geradezu nach Prosa. Mein erster Impuls ließ mich darüber nachdenken, einen Roman für Erwachsene zu schreiben. Als ich aber in meinem Stadtteil beobachtete, welche Schwierigkeiten türkische Kinder hatten, Kontakt mit deutschen Kindern aufzunehmen, begann ich mich daran zu erinnern, wie oft ich mich in meiner Kindheit fremd gefühlt hatte. Geografisch. Sozial. Emotional.

E.K.: Haben Sie als Kind selbst einer Bande angehört?

J.B.: Nein, nie. Für die "Hosenträger" gibt es kein Vorbild in meiner eigenen Kindheit. Nein, ich bin heute ziemlich sicher, dass ich mich in die Sinans, Klatsches, Eules, Willis oder Andys aufgespalten habe, dass sie verschiedene Aspekte dieses meines "Sich-Fremd-Fühlens" repräsentieren.

E.K.: Was fasziniert Sie am Verbrechen?

J.B.: Es ist der Regelverstoß (s. "Schuld und Sühne": Student erschlägt Wucherin). Es ist die Frage, wie Täter und Gesellschaft mit diesem Verstoß umgehen. Und es ist die Auseinandersetzung mit mir selbst, mit meiner – ja, das gibt´s! – Sympathie für den Täter, mit meiner Verachtung für seine Verfolger, also mit meinem eigenen Bedürfnis, aus normierten Rollenzuschreibungen auszubrechen.

E.K.: Was Sie in Ihren Jugendkrimis "Novemberschnee" (Eule des Monats, s. BJL 5/2002) oder "Die Stille zwischen den Sternen" nach Art des Verbrechensromans realisieren: Die Tat wird aufgrund der Persönlichkeit des Täters nachvollziehbar. Sie forcieren die Identifikation des Lesers mit dem Täter. Für Kinder inszenieren Sie die Subversion dagegen als satirische Räubergeschichte – das Romanduo "Der Smaragd der Königin" (2003) und "Das Gold des Skorpions" (2004) ist aus Ihrem Oeuvre übrigens mein absoluter Favorit: Faustdicke hinter den Schlitzohren haben es die 11-jährige Hobbyboxerin Pia und ihr legendärer Tresorknacker-Opa Puschkin; mit ihrem Gangsterethos treiben sie reichlich Schabernack und bringen den Rest der Familie, ehrbare Bankangestellte, gegen sich auf.

J.B.: Ja, der Witz bei Pia und Puschkin entsteht aus der permanenten Regelverletzung der beiden Protagonisten – die nicht einmal bestraft wird! Wenn Kinder darüber mit ihren Eltern reden und die ihnen z.B. von Helmut Kohl, den Spendengeldern und die Straffreiheit für den Herrn erzählen, soll mir das nur recht sein.

E.K.: Aber wie steht es mit der Detektiverzählung? Rezeptionspsychologisch lebt sie vom Triumph des Detektivs über den Täter. So kann von Verachtung für den Verfolger in Ihrer Erstleserserie "Ein Fall für Kwiatkowski" (13 Bde. seit 1995) keine Rede sein. Der Kinderdetektiv ist im Gegensatz zum Gros seiner Genrekollegen zwar kein überlegener Held, aber er steht mit seiner moralischen Reinheit doch in positiv gemeintem Kontrast zu den Tätern. Müssen jüngere Kinder erst mal auf den rechten Weg gebracht werden, bevor sie ihn bewusst verlassen dürfen?

J.B.: Hm. Vielleicht ist es bei mir weniger ein moralischer Impetus als die praktische Erfahrung mit meinen Kindern. Unzählige Male habe ich versucht, bei ihnen (im Alter von sechs bis zehn Jahren) das klassische Gut-Böse-Schema zu durchbrechen. Es ist mir nicht gelungen. Das Gute musste siegen, basta. Da war ich schon froh, wenn ich im "Kwiatkowski" wenigstens bei Detektiv und Bösewicht ein paar Grautöne anbringen konnte.

Mit meinen "Kwiatkowski"-Krimis will ich unterhalten, ganz klar. Trotzdem läuft bei ihnen unterhalb der Handlungsebene eine genrekritische Schiene mit. Es gibt z.B. – zumindest in den Städten – so gut wie keine Kinderbanden mehr. Trotzdem treten in den meisten Kinderkrimis Banden oder fest formierte Gruppen auf, die große Fälle bis hin zu Mord und Totschlag lösen. Kwiatkowski dagegen ist ein Großstadtindianer, ein einsamer Wolf, der zwischen Größenwahn und Depression schwankt, dem man eigentlich Freunde wünschte. Dazu löst er Fälle, die seine Leser auch selbst lösen könnten. Er ist also den Erwachsenen nicht – wie in vielen anderen Kinderkrimis – überlegen, er durchschaut ihre Schwächen, weil er seine kennt. Als letztes: Die "Kwiatkowski"-Krimis sind gewaltfrei. Wenn Sie so wollen, haben ich den Anspruch zu zeigen, dass ein Krimi auch dann spannend sein kann, wenn kein Blut fließt.

E.K.: In Kinderkrimis fließt allerdings selten Blut, Mord spielt erst im Jugendbuch eine Rolle. Und jenseits der reichen Staaten existieren schon noch Kinderbanden, nur sind sie nicht als Detektive unterwegs. Im Gegenteil, sie klauen organisiert ihren Lebensunterhalt zusammen, sind also selbst kriminell (z.B. im Klassiker "Die rote Zora" oder Cornelia Funkes "Herr der Diebe"). Die Verbrecher jagende Kinderbande ist hingegen seit jeher Fiktion, eine typisch kinderliterarische Figuration der Detektivgeschichte. Die häufige Überzeichnung der geballten kindlichen Kompetenz finde ich darin berechtigt, indem sie die Lesebedürfnisse einer bestimmten Altersgruppe bedient.

J.B.: Angesichts Ihrer Ausführungen zu meinen Unwissenheiten, was Banden in Kinderbüchern und -krimis angeht, neige ich in Ehrfurcht das Haupt und folge in toto Ihrer Argumentation.

E.K.: Ihre Genrekritik im "Kwiatkowski" läuft über parodistische Anklänge an den amerikanischen hard-boiled-Krimi. Autorennamen wie John Carpenter und Dashiell Hammet enden bei Ihnen als Kaugummimarke. Der "Carpenter´s"-Kaugummi ersetzt für Ihren Kinderdetektiv hirnanregend die Zigarette (bzw.Sherlock Holmes´ Opiumpfeife), ein Glas Milch den alkoholischen Drink. Eitel betont Kwiatkowski sein Genie, um dann wieder selbstmitleidig über die Härte und Vergeblichkeit seines Berufs zu klagen wie ein routinierter Hardboiler. Diese Anspielungen machen den Witz des Texts aus. Ihren "abgebrühten" Sprachduktus finde ich übrigens besonders für diese Altersgruppe hervorragend! Sie retten meinen Glauben an das freche Buch für Leseanfänger. Zu viele Erstlesebücher sind dagegen kindertümelnd, wie einst Erich Kästner sagte, "in der Kniebeuge" geschrieben.

J.B.: Ich danke Ihnen, dass Sie die Rechte ans Kinn des Autors gleich durch ein sanftes Lob abfedern…

E.K.: Funktionieren Persiflage und Parodie denn auch, wenn der kindliche Leser die Vorlagen noch nicht kennt? Zumal die Mär geht, Kinder verstünden noch keine Ironie.

J.B.: Ich glaube an so etwas wie ein altersangemessenes Verstehen von Ironie. Und das funktioniert mit Milch und Kaugummis ganz prima, auch wenn die Kinder dabei nicht an den Lucky Strike rauchenden und Jack Daniels trinkenden Detektiv Marlowe denken. Das klappt genauso bei Kwiatkowskis partiellem Größenwahn, auch wenn den kindlichen Lesern dazu nicht sofort Sam Spade in "Chinatown" einfällt. Bei meinen Lesungen erlebe ich immer wieder, dass es so etwas wie Archetypen des Detektivs zu geben scheint. Die haben Kinder offenbar schon sehr früh internalisiert, wobei sicherlich Film und Fernsehen eine wichtige Rolle spielen.

E.K.: Stimmt, bereits in der Sesamstraße schnüffelt ein gewisser Sherlock Humbug mit seinem Hund Dr. Watson herum. Auf CD-ROM können die Kinder ihm sogar bei der Falllösung helfen. Karomantel, Schirmmütze und Lupe prägen sich also bereits Kleinkindern als Markenzeichen des Detektivs ein. Dass der Name auf den Ahnen in der Bakerstreet anspielt, müssen sie dabei ja nicht unbedingt wissen.

J.B.: Sie haben natürlich Recht, in der Regel kennen auch meine achtjährigen "Kwiatkowski"-Leser die Abenteuer von Sherlock Holmes nicht. Doch die meisten haben den Namen bereits gehört. Mit ihm verbinden sie Klugheit, Wagemut und eine untrügliche "Nase". Kurz: Parodie und Ironie sind für mich keine "Schmankerl" für Erwachsene. Sie sollen vielmehr dem Leser jeden Alters eine Leichtigkeit vermitteln, die es erlaubt, sich vom Geschehen schmunzelnd zu distanzieren.

E.K.: Ihre älteren Leser haben indes nichts mehr zu lachen: An Härte stehen Ihre Jugendkrimis einem Krimi für Erwachsene um nichts nach. Halten Sie das Krimigenre für besonders geeignet, soziales Übel anzuzeigen? Immerhin umschiffen Sie durch Spannung und Suspense elegant das berüchtigte Problembuch mit dem exemplarischen Psychofall.

J.B.: Das Problembuch, oje. In der Tat ist es heute zunehmend schwierig, ein Buch wie "Davids Versprechen" zunächst an den Buchhandel und dann an den Leser zu bringen. Der Jugendkrimi ist da eine Möglichkeit, in einer spannenden Handlung so etwas wie Gesellschaftskritik zu transportieren, die mir angesichts der Dominanz von Fantasy-Literatur immer wichtiger wird. Der Krimi also als Mittel zum Zweck? Ja, auch. Aber mindestens so sehr interessieren mich die Bauformen des Genres. Ich kann spielen – mit dem Leser, gegen den Leser, kann ihn vom Boot werfen und wieder hereinziehen und gleichzeitig einigermaßen sicher sein, dass er aufgrund seiner Vertrautheit mit dem Genre bis zum Ende mitspielt. Vielleicht ist es das: Nie fühle ich mich näher beim Leser als in den Zeiten, in denen ich an einem Krimi schreibe. Ob das ein erstrebenswerter Zustand ist, weiß ich nicht.

E.K.: Wie kann ein Buch wie "Davids Versprechen" über einen misshandelten Jungen das richtige Kind erreichen? Die betreffenden Eltern werden es ihrem Spross wohl kaum auf den Gabentisch legen…

J.B.: Den "David" musste ich schreiben. Es ist mein autobiografischstes Buch, sofern es diesen Superlativ überhaupt gibt. Die Geschichte wollte unbedingt raus, und ich bin froh, dass sie es ist. Fragen nach Zielgruppe, Verbreitung etc. waren mir dabei piepegal. Dass das Buch bisher so gut läuft (drei Harcover-, acht TB-Auflagen), überrascht mich, ehrlich gesagt.

E.K.: Zurück zu Ihren Jugendkrimis. "Novemberschnee" (2002). Sie kennen keine Gnade für die weibliche Heldin des Thrillers. Nicht nur eine alte Frau, auch Ihre beiden Freunde sterben an den Folgen ihres delinquenten "Spiels" zu dritt. Sie wird als deren Mörderin verdächtigt und dann stirbt auch noch ihr Vater an dem Schock darüber, was ihre Tochter angerichtet hat.
"Die Stille unter den Sternen" (2001). Der Held rebelliert gegen die Verlogenheit der Erwachsenen mit hartnäckigem Schweigen und dem Bau harmloser Bomben. Dadurch erpressbar, lässt er sich in ein Verbrechen ziehen und wird dabei durch einen unfallbedingten Hirnschaden wirklich stumm. Böse Ironie des Schicksals. Gibt es keine Chance für aufrichtige Menschen, die das falsche Gesellschaftsspiel durchschauen?
"Das Lächeln der Spinne" (2004). Der Held kommt bei seiner Detektivarbeit glimpflich davon, jedoch wird das schließlich aufgeklärte Verbrechen von offizieller Seite verdeckt. Die wirklichen Opfer, illegal eingewanderte Ukrainer, bleiben ohne Rechtssprechung, werden abgeschoben und sind damit doppelt bestraft. Durch den Verzicht auf ein Happyend üben Sie Kritik am korrupten Polizei- und Staatsapparat.
Gibt es von der Subversion abgesehen für Sie, um es provokant zu formulieren, ein lustvolles Moment im Ausphantasieren fataler Schicksale? Verarbeiten Sie dabei eigenes ungutes Welterleben?

J.B.: Oh Mann - wissen Sie nicht, dass nur Mist dabei herauskommt, wenn Autoren ihr eigenes Werk interpretieren sollen und dazu auch noch psychoanalytisch? Zitternd und zagend (sofort denke ich an den Rettungsschuss) antworte ich also: Natürlich können Sie aus dem o.g. Teil meiner Biografie ein sadomasochistisches Motiv herauslesen, so etwa nach dem Motto: Er hat´s als Kind knüppeldick gekriegt, nun gibt er´s als Autor an seine Hauptpersonen weiter. Vielleicht spielt das wirklich eine Rolle, ich weiß es nicht. Aber wenn ich mit meinen ernsten Büchern etwas will, dann ist es das: den jugendlichen Lesern zeigen, dass ich ihnen was zutraue. Dass ich ihnen zutraue, damit fertig zu werden, dass es nur zu oft kein Happyend gibt. Dass ich ihnen zutraue zu begreifen, dass es keine Instanz gibt, die sagt: Nun hast du genug gelitten, ab jetzt soll es dir wieder gut gehen. Dass ich ihnen, wenn Sie so wollen, vom Ende der Unschuld erzähle. Viele möchten das nicht, das verstehe ich. Gleichzeitig bekomme ich Briefe, in denen mir z.B. eine 13-jährige aus Osnabrück sagt: "Sie haben mir mit "Davids Versprechen" die Augen geöffnet, wie das Leben ist, wie das Leben sein kann."

E.K.: Ihre Lieblingsfigur?

J.B.: Schwierig, ich mag eigentlich jeden meiner Protagonisten. Vielleicht ist es der Simon Laub in "Das Lächeln…". Der hat – mit Ausnahme der hünenhaften Körpergröße verdammt viel von mir.

E.K.: Also sind Sie in Sachen Gerechtigkeit couragiert, waghalsig und hartnäckig, außerdem einfühlsam, eigenbrötlerisch und schweigsam… Apropos: In "Die Stille…" will der 14-jährige Held durch den Knall einer Bombe, vor allem aber, indem er selbst schweigt, Stille provozieren, die Lügerei der Erwachsenen zum Schweigen bringen.
"Es ist verrückt. Da schweige ich ein paar Tage und schon soll ich zum Psychoklemptner. Dabei würde es allen gut tun, mal für eine Weile den Mund zu halten, nicht nur meinen Eltern", so räsoniert Jonas die Reaktion seiner Umwelt. Die Dynamik seines Schweigens wissen Sie so differenziert zu schildern, als kennten sie sich bestens damit aus…

J.B.: Als Kind habe ich viel geschwiegen. Nur so konnte ich mich aus meiner geschwätzigen Familie innerlich verabschieden. Von daher weiß ich sehr gut, welche Ängste und zugleich Aggressionen das Schweigen bei den Angeschwiegenen auslöst.

E.K.: Schließen wir die Bücherrunde mit der launigen Erstleserserie "Paul und Paule" (vier Bde. seit 2000) über eine verschworene Männerwirtschaft. Sie verzichtet als einer der wenigen Ihrer Texte ganz auf kriminelle Energie. Ist der kumpelhafte Papa darin Ihr Abbild (abzüglich des Bauchs, versteht sich) oder nur Wunschbild?

J.B.: So einen wie den Vater Paul hätte ich selbst gern gehabt. Er ist in nahezu allen Charakterzügen das genaue Gegenteil meines Vaters. Ob ich als alleinerziehender Papa meinen Sohn so geduldig und verständnisvoll erzöge wie Paul, weiß ich nicht. Ich habe da meine Zweifel - und mein Sohn Christopher hätte sie bestimmt auch.

E.K.: Was machen Ihre Kinder?

J.B.: Meine Tochter macht im nächsten Jahr Abitur und will dann ins Ausland. Mein Sohn ist ein großer Sportler – und Leser. Als andere Jungen seines Jahrgangs damit aufhörten, begann er damit. Dass mich das freut, können Sie sich sicher vorstellen. Kinder werden im übrigen nie so, wie die Eltern sich das wünschen. Und das ist auch gut so...

E.K.: Nennen Ihre Kinder ihre Eltern beim Vornamen wie viele Ihrer Buchhelden?

J.B.: Nein, auf ausdrücklichen Wunsch meiner Kinder sind meine Frau und ich "Mama" und "Papa". Ist das der konservative "Rollback"?

E.K.: Waren Sie ein wilder 68er Revoluzzer?

J.B.: Ich habe 1968 Abi gemacht und bin dann voll in die Studentenrevolte hineingesprungen. Die hat mich geprägt – bis heute. Will heißen, ein anarchisches, antiautoritäres Moment ist geblieben, ich glaube, auch in meinen Büchern.

E.K.: Singen Sie nun im Jammerchor über die unpolitische MTV-Generation? Ihre Buchfiguren hören die Stones oder gar die Simple Minds. Die engagierten Schottenrocker der 80er kennt heute doch kein Kind mehr…

J.B.: Bei meinen beiden Kindern habe ich erlebt, wie sie sich eine Zeitlang für die Gruppen interessierten, die ihre Eltern als Jugendliche bzw. junge Erwachsene hörten. Das habe ich in meine Bücher übernommen. Die Simple Minds habe ich auch aus einem weiteren Grund hineingeschrieben. Da werde ich an einer Stelle pädagogisch, wo man es vielleicht gar nicht vermutet. Dem Novitätenzwang gerade auch in der Popmusik stelle ich eine Erinnerung entgegen. Das gestatte ich mir auch in meinem Leben außerhalb des Schreibens, zugegeben mit wechselndem Erfolg.

E.K.: Ihre Buchhelden lassen eine gewisse Schwäche für Sommersprossen und rote Haare vermuten…

J.B.: Die hatte ich immer schon. Meine Frau hat – natürlich – rote Haare und die zahlreichsten Sommersprossen der Welt.

E.K.: Sie sind Vorsitzender der Jury des bundesweiten Vorlesewettbewerbs. Diese Leseförderaktion, eine der ältesten, ist in der Szene sehr umstritten. Vorbehalte richten sich dagegen, dass nur Kinder antreten, die ohnehin gut lesen können und Leseschwache abermals außen vor bleiben.

J.B.: Oh je, der Vorlesewettbewerb. Börsenverein und Buchhandel finden ihn wichtig, weil er natürlich angesichts von jährlich etwa 700 000 Teilnehmern eine ziemlich effektive Werbeveranstaltung ist. Das ist auch absolut so in Ordnung, ich habe im Zusammenhang mit kommerziellen Aspekten der Leseförderung keinerlei Berührungsängste. Darüber hinaus aber erlebe ich als Vorsitzender der Jury beim Bundesentscheid die Kinder persönlich: ihre Begeisterung, ihre Abenteuerlust, ihre Direktheit, ihre Kommunikationsfreude, wenn sie Bücher weiterempfehlen. Genau das ist es, was mich Jahr für Jahr mit großer Vorfreude nach Frankfurt fahren lässt. Bis jetzt bin ich noch nie enttäuscht worden.

E.K.: Welchen Leitsatz möchten Sie ihren Kindern und Lesern auf den Weg geben?

J.B.: Ich habe tatsächlich ein Motto, das ich hier nicht zum ersten Mal zitiere: Hütet euch vor Menschen, die auf schwierige Fragen einfache Antworten geben.
Liebe Esther Kochte, das war´s wohl. Ich glaube, noch nie hat mich ein Interview so gefordert und mir zugleich so viel Spaß gemacht. Herzliche Grüße von Ihrem Jürgen Banscherus.

aus: Bulletin Jugend & Literatur 11/2004.

Autor*innenauskunft, Eigenrecherche, Westfälisches Autorenlexikon. Hrsg. von Walter Gödden und Iris Nölle-Hornkamp. Bd. 4: 1900 bis 1950. Verlag Ferdinand Schöningh: Paderborn 2002.

Aktualisiert 23.11.2020