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Johanna Dombois


Johanna Dombois © S. Rabii
Johanna Dombois
1967
Berlin
Köln
Rheinschiene, Rheinland komplett
Prosa

Arbeitsproben (1)

 

KÖLN

Vor dem Feinkostladen sitzt unter einem Baum seit Wochen ein Penner. In der Auslage gibt es Biskuits und gebratene Tauben, Hefezöpfe, Käselaibe, fette Milch, Lebkuchen und Lakritz, Zuckerblätter und Bierfässchen und Gelees und Ambrosia. Jedes Mal, wenn man vorbeigeht, ruft der Mann: "Please, Madame, please. – Please, Madame..." Eben komme ich vom Markt. Wieder sitzt er vor dem Laden. Heute aber ist geschlossen. Gleichwohl höre ich ihn reden, dabei kann er mich nicht sehen. Es ist auch sonst niemand da. Im Vorbeifahren meine ich, er rufe sich selbst an. Ich streife meine Kapuze ab. Die Stimme, die zu hören ist, kommt von einem Sittich.

Aus: PARADIESE. Hrsg. von Christiane Rath und Roberto Di Bella. Kunstverein 68elf e.V./ fremdwOrte: Köln 2021.
URL des Projektes: www.paradiese.koeln/dombois-atlantis-koeln [18.6.21].


Geboren 1967 in Berlin. Sie studierte Literatur-, Theaterwissenschaften und Kostümkunde in Berlin, Cambridge (UK), Wien und Uppsala, promovierte 2006 bei Peter Wapnewski zu Richard Wagner und arbeitete als Dramaturgin wie Hausautorin an Opernhäusern, Musiktheater- und Medienkunstbühnen. 2012 erschien in Stuttgart bei Klett-Cotta ihr Band "Richard Wagner und seine Medien" (zs. mit Richard Klein), der zum Buch des Jahres nominiert wurde (Kritikerpreis Opernwelt). Seit 2013 ist sie als Autorin freiberuflich und publiziert Zeitschriften-, Anthologie- und Radiobeiträge u.a. für den Merkur, Spex, DF Kultur, Dradio, die horen, Lettre International, Die Zeit. Ihr Fokus liegt bei essayistischer Prosa und Kurzepik, sie schreibt literarische Reportagen, Creative Non-Fiction, Miniaturen und Kürzestgeschichten. Ende 2018 erschien bei der Kölner Parasitenpresse | Verlag für Neue Literatur ihr erster Prosaband "Rettungswesen", der auf der Shortlist des Literaturpreises für kritische Kurztexte 2020 nominiert wurde (Jurypreis). Johanna Dombois lebt in Köln und Athen. Seit 2017 ist sie Dozentin für Künstlerisch-Wissenschaftliches Schreiben der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf.

2019: Gastautorin House of Literature Paros
2019: Recherchepreis Adamas-Stiftung Götz Hübner für interkulturelle Studien
2017: Gastautorin International Writers' and Translators' Centre Rhodos
2016: Arbeitsstipendium Literatur des Landes Nordrhein-Westfalen
2014: Preis der SK Stiftung Kultur
2013: Essay-Preis 'Das Kunstwerk der Zukunft' Bayreuther Festspiele
2012: Gastkünstlerin Athens School of Fine and Media Arts
2012: Writer in Residence SFB 'Bedrohte Ordnungen', Eberhard Karls Universität Tübingen
2011: Residenzstipendium Kunststiftung NRW in Istanbul
2005: Medienkunstpreis Bundesamt für Kultur der Schweiz
1999: Stipendiatin Richard-Wagner-Festspiele Bayreuth
1998: Förderpreis Deutsche Oper Berlin
1997: Essayistik-Preis Japanisches Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten/ Residenz in Tokyo, Kyoto, Hiroshima



Rettungswesen. Prosa. Parasitenpresse | Verlag für Neue Literatur: Köln 2018.
Richard Wagner und seine Medien. Gesammelte Essays. Zus. mit Richard Klein. Klett-Cotta: Stuttgart 2012.

 

Literaturzeitschriften und Magazine:

Vorbemerkung zur Geschichte der Piraterie. In: die horen. 2/2021.
Unschutz. In: die horen. 4/2020.
Hell. In: die horen 2/2020.
LIE. In: Positionen [Schwerpunkt: LIVE/ LIVENESS]. #107, 2016.
Zum Tod von Patrice Chéreau. In Musik & Ästhetik. #69, 2014.
Farinellis gehäutete Stimme. In: Musik & Ästhetik. #51, 2009.
Das System Bob Dylan. Max Dax im Gespräch mit Peter Kemper, Diedrich Diederichsen, Klaus Theweleit, Johanna Dombois, Richard Klein, Greil Marcus. In: SPEX. #320, 2009.
Scheinschwangerschaften. In: Lettre International. #72, 2006.

 

Für Informationen zu sonstigen Werken (Publikationen wie performative Arbeiten) siehe Archiv der Autorin auf ihrer Website.

Auskunft Autorin

Aktualisiert 08.07.2021