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Andrea Karimé


Andrea Karimé © Jasmin K. Bechtel
Andrea Karimé
Beirut Blanka
1963
Kassel
Köln
Köln, Bonn, Ruhrgebiet
Rheinschiene, Ruhrgebiet, Rheinland komplett
Prosa, Lyrik, Kinder-/Jugendbuch
Vogelsangerstraße 63
50823 Köln
0221-5504808

Pressedaten

Erläuterungen und Bedingungen

Pressefotos und Logos zum Download in der Datenbank LITon.NRW

Das Westfälische Literaturbüro in Unna e.V. pflegt im Rahmen der NRW-Literatur-Online-Datenbank LITon.NRW (ehemals www.nrw-literatur-im-netz.de) seit Herbst 2003 eine Foto-Datenbank mit hochauflösenden Fotos von Autor*innen sowie Fotos und Logos von literarischen Institutionen und Projekten aus NRW. Der Service richtet sich an Medien und Literaturveranstalter*innen, die auf diese Weise unkompliziert an Pressefotos und/oder Logos gelangen können. Dieser Service ist (in der Regel) kostenlos. Wenn ein*e Autor*in / eine Institution / ein Projekt Pressefotos bzw. Logos zur Verfügung gestellt hat, ist unter dem jeweiligen Profilfoto das bzw. die entsprechende/n Symbol/e aktiv (anklickbar). Klickt man darauf, klappt bei den Pressefotos ein neues Menü aus, worüber sich das/die Foto/s herunterladen lassen; bei den Logos öffnet sich direkt ein neues Fenster, worüber diese direkt heruntergeladen werden können. Einem Download steht nichts entgegen, wenn die folgenden Nutzungsbedingungen akzeptiert werden:

Alle Rechte vorbehalten. Die Bildmaterialien dürfen lediglich für die redaktionelle Berichterstattung bzw. von Veranstalter*innen für ihre Öffentlichkeitsarbeit unter Angabe des Copyrights bzw. des*der Urhebers*Urheberin (falls im Datensatz angegeben) honorarfrei verwendet werden. Andere Nutzungen, insbesondere jede Art von kommerzieller Verwendung des vorliegenden Materials außerhalb der Medienberichterstattung oder Veranstaltungswerbung, ist ausdrücklich untersagt. Mit dem Download von Fotos bzw. Logos stimmt der*die Nutzer*in dieser Regelung ausdrücklich zu.

Infos für Autor*innen, literarische Institutionen und Projekte

Für die Bereitstellung von Fotos und Logos im Download-Bereich von LITon.NRW entstehen Autor*innen, literarischen Institutionen und Projekten keinerlei Kosten. Die Zurverfügungstellung des Fotos und/oder Logos erfolgt jedoch prinzipiell honorarfrei. Auch das Westfälische Literaturbüro in Unna e.V. als Betreiber der NRW-Literatur-Online-Datenbank stellt potenziellen Nutzer*innen dieses Services keinerlei Kosten in Rechnung. Es wird lediglich ein möglichst einfaches Verfahren angeboten, schnell an Fotos bzw. Logos für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu gelangen. Das Westfälische Literaturbüro übernimmt aus diesem Grunde auch keinerlei Haftung, falls die Download-Fotos/-Logos nicht für den Zweck der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Veranstalter*innen u.ä. genutzt werden.

Pressebild(er)

Andrea Karimé © Pierre Matgé, Tageblatt
Copyright
Andrea Karimé © Pierre Matgé, Tageblatt
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Arbeitsproben (2)

 

Aus: FATINA

1. Die Postkarte

Mond,
ich nehme dich mit,
damit meine Großmutter dich sieht.
Hörst du mich?


Mona Karim

Sicher ist Mara-Marie nur in ihrem Sprachhaus. Auf den Tisch ihrer Großmutter Elisabeth lässt sie Sätze vom Himmel herabfallen und Blütenwiesen aus Worten wachsen. Dort findet sie Ruhe und in der Nacht Mondlicht zwischen den Buchstaben. Doch auch graues Alltagsgebein Sprache. Nur hier wird es still. Still wie die Augen von Großmutter Raissa.

Der Tag, an dem ich die Postkarte bekam, hatte einen bitteren Geschmack. Ich beendete eine Liebe und begrub gerade meinen Traum, in den Libanon fahren zu können. Seit einigen Jahren bereits hatte ich gepackt. Doch ich war nie geflogen. Weil eine Bombe fiel, weil ein Terrorist einen Selbstmordanschlag verübte und in diesem Jahr die brennende Kirche.
Ich muss den Koffer auf den Speicher bringen, dachte ich und holte meine Post. Der Koffer war unfreundlich, warum sollte ich ihn behalten? Er war teuer gewesen, zugegeben. Nur weil ich einen Koffer hatte haben wollen, der so aussieht wie einer von Paul Bowles. Überseekoffer. Für Reisen in den Orient. Goldene Scharniere wie Zähne vor einem grau karierten Rachen.
Als ich auf den Kalender schaute, merkte ich, dass es Frühling geworden sein sollte. Wie oft muss ein Kalender sich irren, um abgesetzt zu werden? Freute sich der Koffer über meine Kapitulation? Ja, ich hatte wieder einmal Vorfreude durch einen matschigen faulfarbenen Stadtherbst getragen und durch einen Winter, dessen Eispranke dem Frühling noch immer nachstellte. Und nun?
"Ich bin Fatina El Raschida. Ich bin deine Kusine."
Mein Vater hatte die Gewohnheit, meine Adresse an seine Schüler weiterzugeben, als Anlaufadresse in Deutschland. Selbst meldete er sich nie. Auf diese Weise lernte ich allerhand Verwandte oder Scheinverwandte kennen, mit denen mich allerdings nicht mehr verband, als die Liebe zu dem Ort, in dem sie aufgewachsen waren.
In meinem Herzen wurde es dennoch laut, wie in einer von starkem Sturm durchwehten Rumpelkammer. Ich hielt inne, um den Geräuschen auf den Grund zu gehen.
El Rashidi war der Name eines Terroristen. El Rashida war der Name der Kusine. Und ich bin Mara-Marie Rashida.

(c) Konkursbuchverlag Claudia Gehrke


TEE MIT ONKEL MUSTAFA

An der Grenze mussten sie alle aussteigen.
"Passkontrolle!", sagte ein Mann mit Uniform und Gewehr. Onkel Mustafa kramte in seinem Sack und zog ein Stück Leder heraus. "Willst du mich verschaukeln, Alterchen?", fragte der Mann in einem scharfen, lauten Ton, der Mina plötzlich hellwach machte.
"Mustafa, bitte jetzt keine Witze!", sagte Papa. "Wo ist dein Pass?" Onkel Mustafa gab einen Grunzton wie ein Ferkel von sich. Mina sah, wie er scheinbar ratlos in seinem Sack wühlte. Schließlich schüttete er alles aus. Vor den Füßen des Uniformierten lag nun das ganze Allerlei des Schafhirten Mustafa: Teekanne, Tee, Zimt, ein Pullover, Schafwolle, Tasse, Taschenmesser, drei Tüten Irgendwas, einige riesige Unterhosen und viele kleine Büchlein, die alle so aussahen wie Reisepässe.
"Da, wenn Sie schon an der seltenen Passkrankheit leiden: Bitte sehr, bedienen Sie sich. Aber unterstehen Sie sich, an meine Pistazien zu gehen!"
Mina kicherte – vor allem wegen der Unterhosen.
"Was soll das hier, geben Sie mir sofort Ihren Pass, oder ich verhafte Sie."
Oh Gott! Mina erschrak. "Onkel!", rief Papa beschwörend und suchte nun selbst nach dem richtigen Dokument.
Nun war Onkel Mustafa aber richtig empört. Er stampfte mit dem Fuß auf: "Reichen Ihnen dreißig Pässe etwa nicht? Die sollten doch wohl genug für die ganze Familie sein, oder? Himmel, Donner und Pfefferschote! Und überhaupt: Glauben Sie denn, Sie könnten einen echten Prinzen mit ein paar lumpigen Pässen besiegen?"
Papa überhörte Onkel Mustafas Gezeter und suchte stattdessen fieberhaft nach dem Pass.
"Hier! Hier ist er!"
Der Mann nahm den Pass und stempelte ihn ab.
"Ich bestehe darauf, dass alle Pässe abgestempelt werden!", kreischte Onkel Mustafa und hielt sie dem Beamten unter die Nase. "Mustafa, mach jetzt bitte keinen Quatsch, wir verpassen sonst noch das Flugzeug!"
Papa schubste den armen Onkel genervt ins Auto zu Mina und Fatou zurück und fuhr dann schnell an. Aber der Onkel schimpfte aus Leibeskräften: "Ich will meine Pässe zurück. Wer weiß, wozu ich sie noch brauchen werde. Ich will meine Pässe zurück!"
Mina fragte ganz leise: "Woher hast du die denn alle, Onkel Mustafa?"
Aber der Onkel antwortete nicht. Stattdessen schaute er aus dem Rückfenster und streckte dem Beamten die Zunge heraus. Der sah es, tobte und sprang dabei hoch wie eine wütende Katze. Nun aber nichts wie weg! Papa gab so sehr Gas, dass Mina übel wurde.
Verfolgt wurden sie nicht. Aber die Fahrt wurde zusehends scheußlicher, denn vor ihnen lag nun das Gebirge. Mina traute sich gar nicht aus dem Fenster zu schauen. Die Straße war schmal wie ein Handtuch und fiel zu den Seiten steil ab. Trotzdem fuhr Papa rasend schnell.
"Wir kriegen den Flieger noch, wie kriegen ihn noch!"
Mina verkroch sich zwischen die Sitze und schaute nicht mehr nach draußen in die vielen Bergabs. Papa musste ständig hupen, damit Autos, die ihnen vielleicht entgegenkämen, sie auch ja rechtzeitig hörten. Nur: Was wäre dann gewesen? Nie und nimmer hätten zwei Autos aneinander vorbeigepasst.
Es kam ihnen aber kein Auto entgegen, und sie schafften es pünktlich zum Flughafen. Das Auto ließen sie einfach dort stehen. Der Onkel aus Syrien wollte es bald abholen.
Im Flieger erzählte Onkel Mustafa Mina endlich, woher er die dreißig Pässe hatte:

"Dein Onkel ist in vielen Ländern der Welt zu Hause. Eigentlich sogar in allen. Und deshalb hat er sich von überallher einen Pass mitgebracht. Nur wollen die an den Grenzen leider immer nur meinen libanesischen Pass sehen. Weiß der Kuckuck, wieso!"


Geboren am 05. Mai 1963 in Kassel. 1982 Abitur an der Herderschule Kassel. 1982-1988 Studium der Kunst- und Musikerziehung. 1995 Ausbildung in Kreatives Schreiben am IFK Berlin. Seit 1995 Lehrerin in Leverkusen. 2004 Ausbildung zur Geschichtenerzählerin an der Wirkstatt, Karlsruhe. Mitglied im VS, VG-Wort. Seit 2007 freie Autorin, Leseperformances, Mitarbeit an Kunstfilmprojekten, Schreibwerkstätten für Kinder und Erwachsene. Winteraufschreibaufenthalte in Ägypten und der Türkei. 2009 Gründungsmitglied der 2009 entstandenen Autorenvereinigung AURA. Seit 2012 Lehrauftrag Kinderliteratur/Ästhetische Praxis an der FH Düsseldorf.

2013: Luxemburger Struwwelpippi-Autorenresidenz
2013: Werkproben NRW
2012: Kinderkulturpreis NRW
2012: Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis
2012: 8 besondere Bücher zum Andersentag
2012: Istanbulstipendium der Stadt Köln
2011: Kollektion zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis
2010: Arbeitsstipendium des Landes NRW
2009: Sächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Denkmalschmiede Hoefgen
2009: International Writers and Translators’ Center of Rhodes
2008: 8 besondere Bücher zum Andersentag, Hauptverband des Österreichischen Buchhandels (für: Die Zauberstimme)
2007: Kollektion zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis
2006: 100 Beste des Münchner Buchhandels
2005: 1. Platz in der Kategorie Kinderbuch beim Literaturwettbewerb "Mythos Fremde", Institut für Migrationsforschung in Bonn

Fatina - Die Anziehung. Roman. Konkursbuch: Tübingen 2008.
Alamat - Wegzeichen. Arabisch-deutsche Erzählungen. Konkursbuch: Tübingen 2006.
Die Briefträgerin. Roman. Konkursbuch: Tübingen 2004.

Alif, be, das Klangfell haart sich. Gedichte. Verlag im Probenraum 3: Klingenberg 2008.

Zum Sterben nach Kairo. Kriminalroman. Quer: Berlin 2010.

Jonny Himmelblau und das Geheimnis von Schweiger. DIX: Düren 2015.
Kalim Baba und die Wörterlampe. Picus: Wien 2015.
Wolkenweich und Kaffeekanne. Picus: Wien 2014.
Der Wörterhimmel des Fräulein Dill. Picus: Wien 2013.
Mu, Wolken und Schlangenglück. DIX: Düren 2013.
Janni und Win und das Verschwinden der Höckerbande. Picus: Wien 2012.
Lea, Opa und das Himmelsklavier. Bilderbuch. Picus: Wien 2011.
Tee mit Onkel Mustafa. Kinderroman. Picus: Wien 2011.
Kaugummi und Verflixungen. Kinderroman. Picus: Wien 2010.
Soraya entdeckt das Meer. Kinderbuch. Picus: Wien 2009.
Soraya, das kleine Kamel. Kinderbuch. Picus: Wien 2008.
Die Zauberstimme. Kinderbuch. Picus: Wien 2007.
Nuri und der Geschichtenteppich. Kindererzählung. Picus: Wien 2006.

Kamel und Weihnachtsstern. RBB, Ohrenbär: Dezember 2012.
Eine Flöte für Mu. Eine Radiogeschichte aus Kairo. RBB, Ohrenbär: 2011.

Vogelgeraube und andere Haikus. Erstausstrahlung Souvenirs from earth: 2008.

Tiefblau. Gedichte. In: Die kleine Ostseewelle. Kunstfilm. Regie: Beate Gördes. 2006.

Wolken-Oto und das Geheimnis der aprikosenfarbenen Katze. In der Reihe "Musik erzählt", im Auftrag der Philharmonie Köln und Luxemburg. Uraufführung: November 2012.

nachtwörterschichten. Lyrikzyklus. Auf: www.fixpoetry.com. 2011.

Goldene Hunde. Kurzgeschichte. In: Konkursbuch 50 - Jubiläumsausgabe. 2012.
Haie im Schnee. Kurzgeschichte. In: Konkursbuch Heimat. Konkursbuchverlag Claudia Gerke: Tübingen 2010.
Tantenfamilie - Familienbanditen. In: Familien-Bande. Konkursbuch 48. Glossen, Essays, Sachtexte, Bilder. Hrsg. von Sigrun Casper und Claudia Gehrke. Konkursbuch: Tübingen 2009.
Sandflug oder das Geschenk. Erzählung. In: Mein lesbisches Auge 6. Lesbisches Jahrbuch der Erotik. Hrsg. von Laura Méritt. Konkursbuch: Tübingen 2008.
Kairos Sterne schleichen. In: Wer die Wahrheit spricht..., muss immer ein gesatteltes Pferd bereithalten. Ein Lesebuch. In: 30 Geschichten zum Armin T. Wegner Literaturwettbewerb Menschenrechte. Hrsg. von der Armin T. Wegner Gesellschaft e.V. Wuppertal 2008.
Munia und ihre Kameltante. Kindergeschichte. In: Das größte Buch der Welt. Weltkindertag Leverkusen 2007.
Marleni und die Wespen des Septembers. Kurzgeschichte. In: Mein lesbisches Auge 5. Lesbisches Jahrbuch der Erotik. Hrsg. von Laura Méritt und Regina Nössler. Konkursbuch: Tübingen 2007.
Charuf - Hammel, gegrillt. In: Scham. Konkursbuch 43. Hrsg. von Sigrun Casper und Klaus Berndl. Konkursbuch: Tübingen 2005.
Der Schuhputzer. Erzählung. In: Das heimliche Auge XIX. Hrsg. von Claudia Gehrke. Konkursbuch: Tübingen 2004.

Griechenlandtagebuch in kunstundkultur online. 2012.
Wochenkolumne der Blanka Beirut. 2011- 2012. Auf: www.fixpoetry.com.
Tagebuchstaben. Internettagebuch 2008. Auf: akarimee.blogspot.com.
 

Auskunft Autorin, Eigenrecherche

Aktualisiert 04.07.2021