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Georg Veit


Georg Veit © privat
Georg Veit
1956
Velen
Coesfeld
Münster, Coesfeld
Münsterland, Westfalen komplett
Prosa, Lyrik, Thriller/Kriminalroman
Ja
Bischofsmühle 1f
48653 Coesfeld
02541-85464

Arbeitsproben (8)

 

Aus: AN DEN ENDEN DER TREPPE

"In der Ecke wurde es dunkel und es summte in der schwülen Luft. Auch laute Tiergeräusche, das Klappern von Geschirr und ein kurzer Gesang mit Gelächter.
Da hast du 'en Hemd!
Kaum erkannte sie gegen den dämmrigen Eingang die Tante Gertrud wieder, die gedrungene Gestalt." (S. 21)

"Mittin wollte nicht über die Möhne nachdenken. Wusste sie, was sie dachte? Dass sie dachte, die Möhne habe eine empfindliche Natur, so empfindlich, dass sie beinahe alles um sich in sich selbst fühlt, dass sie die Sünde eines anderen wie eine Vergilftung zu spüren kriegt ... Mittin lief ihren Gedanken hinterher wie einem Wagen." (S. 249)


Aus: DASEINSBESTÄNDE

Es ist natürlich
Der faule Stamm Heimat der
Fauna geblieben
Unterm Kronenfrühling vibriert der tote
Leib Musik im Daseinsmorsch dazu zittert
Lang dein Hals vom Anstarren Tremor wegen
Daseinsbeständen.


Aus: MÜNSTERLAND-MAFIA

Ich rief Sonja an.
„Ich bin gerade auf dem Weg nach Hause. Kannst du kommen? Ich brauche einen Cognac à deux.”
„War’s so schlimm?”
„Nein ungewohnt.”
„Na, laß dich nicht hängen!”
„Laß du mich nicht hängen!”
„Hör mal, ich kann nichts dafür, daß du dich vom Leben gestört fühlst.”
„Hier bin ich der Pädagoge, bitte schön!”
„Aber nur für Gymnasien. Schon gut. Jetzt geht’s aber nicht. Ich bin alleine. Die Neue ist krank.”
„Sonja betreibt ein Geschäft für Wäsche, Dessous, Mieder. Klein, aber fein. Hohe Fluktuation beim Personal. Weiß der Henker, warum. Ich kann es mir nicht leisten, vorne durch die Ladentür hineinzuschauen. Aber ich kenne mittlerweile - immerhin zwei Jahre - das Metier.
„Und heute abend? Ich koche uns eine Bekömmlichkeit.”
„Pepa, das ist ein liebes Angebot.”

Ich hastete den Wall weiter hinauf, dann auf der anderen Seite zwischen Sträuchern und jungen Birken wieder hinunter. Meine nackten Beine kriegten eine Schramme nach der anderen ab. Ich würde am nächsten Tag aussehen wie ein Tiroler nach dem Brombeerpflücken.
Am Rand der Umgehungsstraße schaute ich mich um: Natürlich war hier niemand mehr. Als ich den Boden ableuchtete, waren die Reifenspuren im Böschungsgras nicht zu übersehen. Die Sachlage war klar.
Der volle Mond nickte mir zu. Jetzt mein einziger Freund und Mitarbeiter. Er allerdings stand nicht in den Niederungen des menschlichen Sumpfes. Er hing am Himmel und ließ sich die Sonne auf den Balg scheinen. Immer Ferien! Immer auf Urlaub, der gute Alte!


Aus: ZEIT DER KRAMMETSVÖGEL

Springinsfeld schien geschmeichelt. Rasch aber tauchte die Ungeduld wieder auf, die ihr so hohl vorkam.
„Was sollen die Fragen? Die Zeit ist kurz. Wollt Ihr mich auf den Esel setzen oder zur Andacht treiben?”
„Ach, kommt. Ihr seid jung! Ihr wollt ein großer Hans werden, seid tags nur ein Strauchmörder und sucht nachts unter einem Rockzipfel.”
Das war das Ende des schalen Gesprächs gewesen. Beleidigt war er aufgestanden, hatte dann aber bedacht, was er sich schuldig war. Er hatte ein schallendes Lachen veranstaltet und ihr den Rest vom goldgelben Malvasier in den offenen Busen laufen lassen, eine Faust in die Seite gestemmt. Dann war er hinausgelaufen. Anna hatte einige Sätze hinter ihm her gemacht, war dann aber im Dunkel vor dem Tor stehengeblieben. Da war der Bube plötzlich auf sie gesprungen, hatte sie umgeworfen und ihr mit dem gezückten Tuch bis tief hinab die Stelle trockengerieben, die er bewässert hatte. Nur kurz hatten sie sich angesehen, und ein Kuß, der sie bei aller Enttäuschung wundersam überlaufen hatte, hatte sie für einige Zeit ratlos zurückgelassen. Rasch war er in die Dunkelheit fortgesprungen, wie es sein Name sagt.
Als sie spät in der Nacht zum Speicher zurückgegangen war, im leichten Dummel, hatte er stumm an der Tür gestanden, mit einem Kratzen in seiner dunklen Mähne. Sie hatte ihn, da er allzu wackelig auf den Beinen war, mit sich die Stiegen hinaufgenommen. Helden sind langweilig zu Hause, hatte sie gedacht. Sie waren beieinander eingeschlafen wie eine Mutter und ihr Kind auf der Flucht, und sie hatte nur wenig Mühe gehabt, seinen schweren Kopf auf ihrer Schulter und seine Hände um ihre Hüfte zu halten.


Aus: HELMUTERKLOßE.

Der letzte Laut übrigens, den man auf der Höhe vom Helmutkloß vernommen hatte, nachdem er gerade aus jenem Körperteil, mit dem er sich leichter zu äußern verstand, einen stärkeren Ton hatte entfahren lassen, war folgender:
„Das ist doch die natürlichste Sache der Welt!”
Ob er das gesagt hat oder: „Aus eener solchen Kanon mus en fröhlische Fuz komme!”” ist (noch) nicht vollkommen gesichert. Sicher ist jedoch, daß es einen saftigen Ton gemacht hat.


Aus: HISTORISCHE JUGENDLITERATUR.


Wo Literatur Selbstgewißheiten befriedigt, begibt sie sich ihres originären Wirkungspotentials... Beim Einsatz historischer Jugendliteratur geht es spezifisch um die Anreicherung der zweiten Wirklichkeit der Schülerinnen und Schüler mit realistischen Stoffen, die den Horizont der Leserinnen und Leser, ihre Vorstellungs- und Denkkraft vergrößern helfen und zu Fragen Anreize bieten.


Aus: VON DER IMAGINATION ZUR IRRITATION.

Historische Aussagen sind Fiktionen insoweit, als sie keine fest umgrenzbare Entsprechung in der Wirklichkeit des Tatsächlichen haben... All diese vermeindlichen Fakten werden außerdem zu Fakten erst im Nachhinein und erst durch die Sprache zum Leben erweckt. Und all diese ‘Fakten’ sind nur in solch geringem Maße dingfest zu machen, daß sie im Universum der unfaßbaren Wirklichkeit(en) nur die Rolle von Bruchteilen spielen können, dennoch aber Totalität (Widerspruchsfreiheit) beanspruchen müssen... Die historische Produktion eines Historikers fußt gegenüber der eines Dichters daher auf keinen prinzipiell anderen geistigen Akten. Nur Reihenfolge und Gewichtung der Arbeitsschritte unterscheiden sich.


Aus: DER KAISER CLAUDIUS

Nützt es, wenn die vermeintliche ... Wahrheit des Gewesenen einfach vorgelegt werden könnte, reicht die Befriedigung, die Wahrheit dessen zu kennen, was längst vorüber ist? Oder gewinnt Geschichte erst dort Bedeutung, wo sie als noch oder wieder wirksam gestaltet, vielleicht sogar mit literarischer Ambition konstruiert wird?


Geboren am 20. Januar 1956 in Velen. Georg Veit stammt aus einer Vertriebenenfamilie und besuchte neun Jahre das Internatsgymnasium in Maria-Veen/Westfalen. Er studierte in Münster Geschichte, Latein und Philosophie und war in dieser Zeit auch politisch, musikalisch und schauspielerisch aktiv. Sechs Jahre lebte er in Leer/Ostfriesland und arbeitete dort als Teilzeitlehrkraft, bis er nach Coesfeld/Westfalen wechselte. Georg Veit ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Seit 1997 ist er Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS), von 2004 - 2009 war er Mitglied im Rat der Stadt Coesfeld und Vorsitzender des Kulturausschusses. 2013 erhielt er den Ehrenamtpreis der Stadt Coesfeld. Seit 01.05.2014 ist Georg Veit Kulturdezernent der Bezirksregierung Münster. Seit 2018 ist Georg Veit erster Vorsitzender der Annette zu Droste-Gesellschaft.

2013: Ehrenamtspreis der Stadt Coesfeld
2002: Story-Olympiade im Internet
2001: Auszeichnung beim Am Erker-Kurzgeschichtenpreis
2000: Jos Fritz-Preis für innovative Literatur (4. Münsteraner Literaturmeisterschaft)

Schwedings Handhabung der Wolken. Elsinor: Coesfeld 2017.
An den Enden der Treppe. Roman um Anna Katharina Emmerick. Waxmann: Münster 2008.
Zeit der Krammetsvögel. Roman aus dem 30jährigen Krieg. Waxmann: Münster 1997.
Helmuterkloße. Eine Satire. Anhang: Der Fall antiker Satiren in die Moderne. Illustrationen von B. Scholz. LIT: Münster 1995.

Berkel. Selbstgespräche. Longinus/Elsinor: Coesfeld 2017.
Liudger I - IV. lebensgedichte. Dialog: Münster 2009.
Daseinsbestände. Gedichte. Zum Halben Bogen: Göttingen 2001.

Münsterland-Blitze. Ein Krimi aus der Provinz. Waxmann: Münster 2013.
Bergers Mord. Eine historische Criminalerzählung. Elsinor: Coesfeld 2012.
Mörderwahl. Ein Krimi aus dem Münsterland. Waxmann: Münster 2010.
Tödliches Erbe. Ein Krimi aus dem Münsterland. Waxmann: Münster 2005.
Hahnenkampf. Ein Krimi aus dem Münsterland. Waxmann: Münster 2002.
Münsterland-Mafia. Ein Kriminalroman aus der Provinz. Waxmann: Münster 1999.

Fortuna Polycratis. Hörspiel nach F. Schiller. In: Fabulam agamus!. Klett: Stuttgart 1990.

Kaiser Claudius. Zwischen Macht und Lächerlichkeit. Lateinische Texte (Exempla) und Lehrerkommentar (Consilia). Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen 1995.
Fabula agitur. Gedanken und Hilfen zum lateinischen Schultheater. Klett: Stuttgart 1992.

Völlig neues Jahr. Gedicht. In: Wage im Regen ein Tänzchen (Poesie 21). Steinmeier: Deiningen 2018.
Beifang. Gedicht. In: Komm in meinen Maulwurfshügel (Poesie 21). Steinmeier: Deiningen 2014.
Die Nacht der Tochter. Historische Kurzgeschichte. In: Engel, Hexen, Wiedertäufer. Hrsg. von Evelyn Barenbrügge. Waxmann: Münster 2013.
Sie fragt. Gedicht. In: Wie das zergeht auf der Zunge (Poesie 21). Steinmeier: Deiningen 2012.
Tote vergisst man nicht. Kurzkriminalgeschichte. In: Mörderisches Münsterland. kbv: Hildesheim 2011.
Und Sommer regnet aufs Banjo. Gedicht. In: Und Sommer regnet aufs Banjo (Poesie 21). Steinmeier: Deiningen 2011.
Geschichte für dich. Kurzgeschichte. In: Palmbaum 1/2011.
Zwischen den Jalousien. Gedicht. In: Wie eine Feder will ich sein. Jokers: Augsburg 2007.
Gedichte. In: Verszeit 2005. (auch als Hörtext/CD erhältlich) Lyrikforum: Köln 2004.
Zerstörer. Langgedicht. In: Lyrik 2000. Norderstedt 2004.
Schwesterlein Rosalie. Kurzgeschichte. In: Hexen, Magier, Scharlatane. Hrsg. von Ernst Wurdack. Torsten Low: Nittendorf 2002.
Die Schärfe der Fichten. Gedichte. In: Federwelt 33/04-2002.
Auf einer Wand am Wochenende. Kurzgeschichte. In: Am Erker 41/2001.
Schatten der Hummel. Gedichte. In: Jahrbuch Westfalen 2001.
Des Krieges Klage. Gedicht. In: Lesebuch II: Dreißigjähriger Krieg. Literarische Texte von 1791 bis 1998. Hrsg. von Wolfgang Popp. LIT: Münster 1999.
Historische Jugendliteratur. In: Handbuch Geschichtsdidaktik. Kallmeyer’sche Verlagsbuchhandlung. Seelze-Velber: 5. Aufl. 1997.
Imagination und Irritation. Eine didaktische Neubewertung des Fiktiven im Geschichtsunterricht. In: Geschichte lernen 52. Friedrich: Velber 1996.
Mythologie im Jugendbuch. In: Der Altsprachliche Unterricht 4/1990. Friedrich: Velber 1990.
Regelmäßige Rezensionen von historischer Jugendliteratur. In: Geschichte lernen. Friedrich: Velber 1988-1996.
Möglichkeiten und Schwierigkeiten des lateinischen Schultheaters. In: Der Altsprachliche Unterricht 5/1986. Friedrich: Velber 1986.

(mit Basisartikel):
Germanen, Kelten, Römer und Slawen. Kulturvermischung im Gebiet des heutigen Deutschland. Geschichte lernen 29. Friedrich: Velbert 1992.

An den Enden der Treppe. Hörprobe. LiteraturLine: Münster 2011.
Auf einer Wand am Wochenende. Kurzgeschichte/Hörbuch. Am Erker Kurzgeschichtenpreis. Münster 2003.
Zwölf Gedichte als Text in Bewegung. In: www.stadt-muenster.de/literaturline (Archiv).
Zittern. Gedichtzyklus. Gelesen am Münsteraner Literaturtelephon vom 15. bis 21.12.2000.

Wolfgang Popp: Georg Veits Zeit der Krammetsvögel. Hunger/Der Krieg und der Regen. In: Lesebuch II: Dreißigjähriger Krieg. Literarische Texte von 1791 bis 1998. Hrsg. von Wolfgang Popp. LIT: Münster 1999.

Lexikoneinträge:
J. Hindersmann: Krimilandschaft Deutschland/Der Münster-Krimi. In: Lexikon der Kriminalliteratur III. Hrsg. von Klaus-Peter Walter. Corian/Wimmer: Meitingen 2001.

Zu: Die Nacht der Tochter
[...] zeigt Georg Veit die Seelenqualen eines Menschen in ihrer ganzen Bandbreite. Schon der Einstieg packt den Leser und lässt ihn nicht mehr los.
Erschienen in: Stadtanzeiger-Coesfeld, 11.06.2013.

Zu: Bergers Mord
In prachtvoll konstruierten Satzgefügen berichtet ein anonym bleibender, aber immer präsenter Erzähler aus dem Innenleben einer gequälten [...] Kreatur [...]
Von: Joachim Feldmann. Erschienen in: CULTURMAG, 25.05.2013.

Zu: Münsterland-Krimis
Diese Melange und die sympathische Eigenironie des Erzählers machen diese Bücher zu einer mehr als vergnüglichen Lektüre. Mehr davon bitte!
Erschienen in: Reh-Zensionen, Das Dosierte Leben, Nr. 37.

Zu: An den Enden der Treppe
Dabei gelingen dem Autor nicht nur hervorragende Charakterstudien, sondern auch authentische Milieustudien [...] Das Werk überzeugt als außergewöhnliches Buch zu einer außergewöhnlichen Frauengestalt [...]
Erschienen in: Buchprofile, Januar 2009.

Zu: Zeit der Krammetsvögel
Meisterhaft skizziert er unterschiedlichste Charaktere [...] vor dem Hintergrund der Kriegsszenerie in einer verdreckten und verschlammten Schlacht. Die deftige Sprache ist konturenscharf, kompromisslos. [...]
Erschienen in: Westfälische Nachrichten, 18.02.2005.

Ich wollte über eine der außergewöhnlichsten Frauen Westfalens einen Roman schreiben, der unterhält und standhält ... Das Mitleiden hat übrigens auch Buddha zum Zentrum seiner Lehre gemacht. Uns heute, die wir genug damit zu tun haben, unser Wohlbefinden auf Trab zu halten, muss das zugegebenermaßen natürlich irritieren.
Interview. Erschienen in: Streiflichter, 03.09.2008.

(Die Gedichte) entstehen aus einem kleinen Einfall, einer kurzen Impression. Es sind szenische Miniaturen, zarte Bilder, ganz flüchtig, die nach strengen Regeln in besonderer Form ausgedrückt werden. Sie flackern für einen Moment auf, und können darin ganz kurz zu tiefer Bedeutung kommen, bevor sie vorüber sind.
Interview. Erschienen in: Allgemeine Zeitung, 11.11.2000.

Interview zu: Münsterland-Mafia
Wer will, kann das Buch zuklappen und sagen 'lustig', aber man kann auch nachdenklich werden und innehalten.
Erschienen in: Borkener Zeitung, 27.11.1999.

Dieser Spagat hat mich gereizt.
Erschienen in: Allgemeine Zeitung, 09.10.1999.

Wenn Sie eine Schilderung machen aus Zeiten, die nicht sehr hell sind, dann können Sie nicht die Zeiten korrigieren. Aber Sie können Menschen schildern, die damit fertig werden [...].
In: WDR-Talkshow "Theatercafé", 23.12.1997.

Interview zu: Krammetsvögel
Es geht um eine Anspielung auf das 'Fressen und gefressen werden'.
Erschienen in: Allgemeine Zeitung, 15.03.1997.

Interview zu: Helmuterkloße
Dabei habe ich ihn [Helmut Kohl] nur benutzt, um Kritik zu üben an einer satten Gesellschaft, die in unglaublicher Selbstgenügsamkeit alles in sich hineinfrißt, und damit [...] anderen die Lebensgrundlagen auffrißt.
Erschienen in: Allgemeine Zeitung, 30.12.1995.

Auskunft Autor, Eigenrecherche

Aktualisiert 05.07.2021